Von FRANZ zu FABiAN – 10 Jahre Vertragsnaturschutz mit der Landwirtschaft


Bild: Umweltstiftung Michael Otto
Heiligenthal, 09.10.2025

Am 9. Oktober 2025 kamen in Heiligenthal bei Lüneburg Vertreter*innen aus Landwirtschaft, Naturschutz, Verwaltung und Politik zur Veranstaltung „Von F.R.A.N.Z. zu FABiAN – 10 Jahre Vertragsnaturschutz mit der Landwirtschaft“ zusammen. Gemeinsam blickten sie auf ein Jahrzehnt erfolgreicher Kooperationen und Entwicklungen im Vertragsnaturschutz zurück. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Projekte wie F.R.A.N.Z. und FABiAN künftig noch stärker in die Fläche getragen werden können – und was es braucht, um Biodiversität als festen Bestandteil einer zukunftsfähigen Landwirtschaft zu verankern.

Astrid Garben-Mogwitz, Vorsitzende der Stiftung Kulturlandpflege machte in ihrer Begrüßung deutlich, dass die Kooperation zwischen Naturschutz und Landwirtschaft einen starken Schwerpunkt in der täglichen Arbeit der Stiftung darstelle – ganz im Sinne des „Niedersächsischen Weges“.

Das Dialog- und Demonstrationsprojekt F.R.A.N.Z. wird von der Umweltstiftung Michael Otto und dem Deutschen Bauernverband getragen und wissenschaftlich durch die Thünen-Institute, die Universität Göttingen und das Michael-Otto-Institut im NABU begleitet. Vor Ort betreuen die Landesbauernverbände und ihre Kulturlandschaftsstiftungen die Demonstrationsbetriebe.


F.R.A.N.Z. Betriebsleiter Jochen Hartmann und F.R.A.N.Z .Betriebsberater Björn Rohloff - Bild: Sophie Wolters



Führung auf dem F.R.A.N.Z. Betrieb von Jochen Hartmann - Bild: Sophie Wolters

Dr. Holger Hennies, Präsident des Landvolks Niedersachsen, betonte in seinem Grußwort, dass Landwirtschaft und Naturschutz neu aufgestellt werden müssen: „Projekte wie F.R.A.N.Z. haben gezeigt, dass Kooperation funktioniert – jetzt geht es darum, Maßnahmen langfristig zu verstetigen und in die Breite der landwirtschaftlichen Betriebe zu bringen.“ Gleichzeitig forderte er, den Erfolg stärker messbar zu machen und Maßnahmen so zu gestalten, dass Landwirt*innen sie verstehen, umsetzen und als sinnvoll erachten.

Auch Sophie Wolters, F.R.A.N.Z.-Projektleitung der Umweltstiftung Michael Otto, machte deutlich, dass Biodiversität kein Gegensatz zur landwirtschaftlichen Produktion ist, sondern ein zentraler Bestandteil eines nachhaltigen Ernährungssystems.

Neben F.R.A.N.Z. wurden das Biodiversitätsprogramm der Region Hannover und das FABiAN-Projekt vorgestellt – beide setzen auf die enge Verzahnung von Naturschutz und landwirtschaftlicher Praxis sowie auf praxisnahe, flexible Lösungen.

Das Biodiversitätsprogramm Hannover – entstanden aus den Erfahrungen des F.R.A.N.Z.-Projekts – läuft seit 2018 erfolgreich und umfasst inzwischen 91 teilnehmende Betriebe mit einer Gesamtfläche von rund 232 Hektar. Björn Rohloff und Peter Zanini von der Stiftung Kulturlandpflege berichteten über die Entstehung, Entwicklung und Erfolge des Programms.

Jakob von Richthofen, Landwirt und Teilnehmer im Biodiversitätsprogramm, beschrieb, wie niedrigschwellige Maßnahmen wie ein einjähriger Blühstreifen als Türöffner gewirkt haben: „Das Projekt macht Spaß, überzeugt in der Praxis – und motiviert, noch mehr für die Artenvielfalt zu tun.“

Das 2019 gestartete FABiAN-Projekt knüpft direkt an diese Erfahrungen an. Es kombiniert die Erfolgsfaktoren des Biodiversitätsprogramms mit den wissenschaftlich begleiteten Maßnahmen des F.R.A.N.Z.-Projekts. Ziel ist es, Landwirt*innen für flexible Vertragsnaturschutzangebote zu gewinnen und regionale Biotopvernetzung zu fördern. Besonders innovativ: der sogenannte Vernetzungsbonus – ein zusätzlicher Förderanreiz, wenn Maßnahmen in Biotopverbundflächen angelegt werden.

„FABiAN steht für Machbarkeit, Freude an der Umsetzung und ein echtes Wir-Gefühl“, so Anton Sartisohn von der Stiftung Kulturlandpflege. „Wir brauchen keine Einzelmaßnahmen, sondern einen klugen Mix – gezielt angelegt und gut begleitet.“

Karsten Behr, Geschäftsführer der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung, hob die besondere Bedeutung der Projekte hervor: „F.R.A.N.Z. ist der Opa, FABiAN der Vater – und die vielen regionalen Nachfolgeprojekte sind die Kinder. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden – F.R.A.N.Z. und FABiAN zeigen, dass Naturschutz mit, nicht gegen die Bewirtschaftenden funktioniert.“ Die Stiftung unterstützte das Projekt FABiAN mit 1,5 Millionen Euro und kündigte an, weiterhin innovative Ansätze im Vertragsnaturschutz zu fördern.

Auch auf politischer Ebene wird das Engagement honoriert: Der Landkreis Goslar hat 2025 beschlossen, das erfolgreiche FABiAN-Biotopvernetzungsprojekt bis Ende 2030 fortzuführen – finanziert aus Ersatzgeldmitteln.

Flexible und unbürokratische Vertragsnaturschutzprogramme wie beispielsweise FABiAN schließen Lücken, die durch die Agrarumweltprogramme der Länder entstehen. Das jedoch auch diese mit Problemen konfrontiert werden, zeigte F.R.A.N.Z.-Begleitforscherin Ineke Joormann, , Thünen-Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen in ihrem Vortrag ein: Das Agrarförderrecht bringe mit bestimmten Regelungen – etwa dem Mindestpflegegebot oder mangelnden Möglichkeiten einer einfachen Codierung von Maßnahmenflächen – zusätzliche Herausforderungen für die Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen in der Agrarlandschaft mit sich.


F.R.A.N.Z. Begleitforscherin Ineke Joormann - Bild: Sophie Wolters 

Deshalb appelliert die F.R.A.N.Z.-Projektleitung des Deutschen Bauernverbands, Dr. Anna Bobrowski, an die Politik, die erprobten und biodiversitätsfördernden F.R.A.N.Z.-Maßnahmen in die Landesprogramme zu übernehmen – damit fehlende finanzielle Mittel nicht zum Nachteil für Landwirtschaft und Naturschutz werden.

Die Veranstaltung machte deutlich: Nach fast zehn Jahren F.R.A.N.Z.-Projekt hat der Vertragsnaturschutz in Niedersachsen und darüber hinaus deutlich an Bekanntheit gewonnen.

Peter Zanini von der Stiftung Kulturlandpflege Niedersachsen berichtete, wie groß die Begeisterung der teilnehmenden Landwirtinnen für Biodiversitätsmaßnahmen sei: „Dieses Erlebnis, glückliche Landwirtinnen zu sehen, die Maßnahmen umsetzen, die wirklich zu ihren Flächen passen – das hat uns berührt.“


 

Über das F.R.A.N.Z. Projekt:

Das Dialog- und Demonstrationsprojekt F.R.A.N.Z. (Für Ressourcen, Agrarwirtschaft & Naturschutz mit Zukunft) hat sich zum Ziel gesetzt, Naturschutzmaßnahmen zu entwickeln und zu erproben, die die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft erhalten und erhöhen sowie wirtschaftlich tragfähig und praxistauglich sind.

Das Verbundprojekt F.R.A.N.Z. wird von der Umweltstiftung Michael Otto und dem Deutschen Bauernverband durchgeführt und ressortübergreifend unterstützt. Die Förderung erfolgt mit Mitteln der Rentenbank, mit besonderer Unterstützung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) sowie durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN).