Ökologische Begleitforschung

Die ökologische Begleitforschung, bestehend aus dem Michael-Otto-Institut im NABU, der Georg-August-Universität Göttingen und dem Thünen-Institut für Biodiversität, untersucht, wie sich die Maßnahmen auf Amphibien, Feldhasen, Laufkäfer, Schmetterlinge, Schwebfliegen, Vögel, Wildbienen und Pflanzen auswirken.

Die ersten Ergebnisse der ökologischen Begleitforschung (2017-2020) finden Sie in der F.R.A.N.Z.-Projekt Zwischenbilanz 2020. Die Ergebnisse aus der zweiten Phase (2020-3023) finden Sie in der F.R.A.N.Z.-Projekt Zwischenbilanz 2023.

F.R.A.N.Z. Maßnahmenbündel und Flex-Modul Konzept

Maßnahmenbündel:

Im Allgemeinen wirken mehrere Faktoren limitierend auf die Biodiversität in der Agrarlandschaft. Hierzu zählen die Verfügbarkeit von Nahrung, Lebens- und Reproduktionsräumen sowie von geeigneten Vegetationsbeständen zum Überwintern. Um diese Herausforderungen zu überwinden, ist es wichtig, verschiedene Maßnahmen lokal zeitgleich umzusetzen, um eine größere Vielfalt an Lebensräumen und Ressourcen zu schaffen.

Im Rahmen des F.R.A.N.Z.-Projekts wurde ein Konzept entwickelt, das die Bündelung von biodiversitätsfördernden Maßnahmen im Ackerbau ermöglicht. Durch die Kombination von Maßnahmen, die die Biodiversität insgesamt fördern, mit spezifischen Ansätzen, die auf die Bedürfnisse einzelner Arten oder Artengruppen abgestimmt sind, kann ein höherer ökologischer Wert erzielt werden und die Agrarlandschaft aufgewertet werden.


Flex-Modul-Konzept:

Starre Auflagen und lange Verpflichtungszeiträume erschweren die Umsetzung von Agrarumweltmaßnahmen. Um dies zu überwinden, wurden basierend auf den F.R.A.N.Z.-Ackerland-Maßnahmen Biodiversitätsmodule für Ackerbrachen und Extensivierung im Pflanzenbau entwickelt.

Diese Module umfassen Basis-Module mit einem großen Ausgestaltungsspielraum, die die Biodiversität insgesamt fördern, sowie Premium-Module, die bestimmte Arten oder Artengruppen adressieren und eine geringere Flexibilität aufweisen. Wenn unvorhergesehene Ereignisse auftreten, können Landwirte und Landwirtinnen vom Premium- ins Basismodul wechseln oder Top-ups hinzufügen oder abwählen. Durch diese Flexibilität kann die Akzeptanz der Maßnahmen in der Landwirtschaft verbessert und gleichzeitig die ökologische Effektivität gesteigert werden.

F.R.A.N.Z. Erfolgskontrolle

Blühstreifen stellen für viele Arten Ressourcen und Habitate bereit, an denen es in heutigen strukturarmen und intensiv bewirtschaften Agrarlandschaften mangelt.

Für Landwirtinnen/Landwirte stellt sich jedoch oft die Frage, ob sich der von ihnen angelegte Blühstreifen in einem guten Zustand befindet und damit funktioniert wie gedacht. Um bei der Klärung dieser Fragen zu unterstützen, wurde daher im F.R.A.N.Z.-Projekt eine Erfolgskontrolle mehrjähriger Blühstreifen für Landwirt*innen und Betriebsberater*innen entwickelt.

Die Erfolgskontrolle basiert auf drei Indikatoren die innerhalb von 20 Minuten mit einfachen Methoden von den Landwirt*innen selber erfasst werden können:

1) Die Artenvielfalt über das Sammeln von Pflanzenart in einem Blumenstrauß auf einem vordefiniertem Transekt,

2) der Blühaspekt über die Anzahl der Blütenfarben im Strauß und

3) die Strukturdiversität über das Abschätzen des Vorhandenseins dreier Vegetationshöhenklassen.

Mit der Anzahl an Pflanzenarten, Blütenfarben und Höhenklassen werden Punkte erzielt, deren Summe einer von drei Zustandsklassen und möglichen Pflegeempfehlungen zugeordnet ist.

Die Nutzung von Feldlerchenfenstern für die Feldlerche (Alauda arvensis) in Deutschland (2025)

Die vorliegende Untersuchung des Michael-Otto-Instituts im Nabu (MOIN) beleuchtet die Bedeutung von Feldlerchenfenstern für den Erhalt und Förderung der bedrohten Feldlerche (Alauda arvensis) und bietet wertvolle Einblicke in die Optimierung von Lebensräumen für die Feldlerche in der intensiv genutzten Agrarlandschaft Deutschlands. Die Untersuchungen wurden zwischen 2017 und 2023 im Rahmen des F.R.A.N.Z.-Projekts durchgeführt, wobei die Effektivität der Feldlerchenfenstern analysiert wurde. Die Studie untersuchte den Einfluss verschiedenster Faktoren, wie die Vielfalt der umliegenden Kulturen, die Wetterbedingungen oder die Größe von Blühstreifen auf die Effektivität dieser Fenster. Die Ergebnisse zeigen u. a., dass Feldlerchenfenster im Durchschnitt eine Steigerung der Feldlerchensichtungen von 15% ermöglichen, bei einer Nutzung von nur 0,4% der landwirtschaftlichen Fläche. Diese Erkenntnisse könnten zukünftig als Grundlage für umweltfreundlichere landwirtschaftliche Praktiken dienen, um den Schutz der Feldlerche zu verbessern.

Beninde, J., Hunke, P. (2025) The use of skylark plots by the European Skylark (Alauda arvensis) in Germany. Journal of Ornithology 166: 603–607. https://doi.org/10.1007/s10336-024-02222-8

Zusammenfassung

Weed Seed Banks in Intensive Farmland and the Influence of Tillage, Field Position, and Sown Flower Strips (2023)

Die vorliegende Studie untersucht drei Faktoren, die den Reichtum und die Zusammensetzung von Samenbanken im Boden beeinflussen: die Intensität der Bodenbearbeitung, die Lage im Feld und die Nutzung von Blühstreifen. Dabei fokussierten sich die Wissenschaftler*innen der Universitäten Göttingen und Kiel auf die Veränderungen der Ackerwildkräutersamenbanken in intensiv bewirtschafteten Ackerflächen vom Feldinneren zum Feldrand sowie unter Nutzung von Blühstreifen und den daran angrenzenden Feldern im Verhältnis zur oberirdischen Vegetation. Die Untersuchungen ergaben u. a., dass Betriebe mit geringer Bodenbearbeitung, mehr Pflanzenarten und höhere Saatgutdichten in der Samenbank aufwiesen als Betriebe mit stärkerer Bodenbearbeitung. Die Artenvielfalt und der Samenreichtum der Ackerunkräuter waren am Feldrand höher als im Feldinneren, wobei beides insbesondere innerhalb der ersten zwei Meter kontinuierlich abnahm. Auf kurze Dauer angelegte Blühstreifen zeigten nur ein begrenztes Potenzial zur Anreicherung einer verarmten Samenbank mit natürlich vorkommenden oder sogar seltenen Ackerwildkrautarten auf. Erst ab 2 Jahren trat eine Verbesserung der Samenbanken bei eingesäten Blühstreifen auf.

Schnee L., Sutcliffe L.M.E., Leuschner C., Donath T.W. (2023) Weed seed banks in intensive farmland and the influence of tillage, field position, and sown flower strips. Land 12 (04): 926. DOI: 10.3390/land12040926

Zusammenfassung

Weak evidence for biocontrol spillover from both flower strips and grassy field margins in conventional cereals (2023)

Die vorliegende Studie untersucht die Auswirkungen von zwei verschiedenen Feldrandtypen (bereits bestehende, grasbewachsene Feldränder im Vergleich zu mehrjährigen Blühstreifen) und die Auswirkungen des Abstands vom Feldrand auf zwei häufig vorkommende Getreideschädlinge (Getreidehähnchen und Blattläuse), ihre natürlichen Gegenspieler (v.a. Larven der Schwebfliegen, Marienkäfer und Florfliegen sowie Blattlausparasitoide) und den Ernteertrag auf fünf konventionellen Demonstrationsbetrieben des F.R.A.N.Z.-Projekts. Die Untersuchungen für beide Feldrandtypen ergaben: Unabhängig vom Feldrandtyp war das Verhältnis von Gegenspielern zu Getreidehähnchen umso günstiger, je geringer der Abstand zum Feldrand war. Angrenzend an Blühstreifen verschlechterte sich das Verhältnis etwas langsamer Richtung Feldmitte als neben Grasstreifen. Bei Blattläusen war kein Effekt nachweisbar. 

Rodenwald N., Sutcliffe L.M.E., Leuschner C., Batáry P. (2023) Weak evidence for biocontrol spillover from both flower strips and grassy field margins in conventional cereals. Agriculture, Ecosystems & Environment 355: 108614. DOI: 10.1016/j.agee.2023.108614

Zusammenfassung

Faunistisch bemerkenswerte Laufkäfernachweise in Agrarumweltmaßnahmen auf zwei landwirtschaftlichen Betrieben bei Lüneburg (NI) und im Havelland (BB) (2022)

Bei einer Erhebung aus den Jahren 2020 und 2021 auf den F.R.A.N.Z.-Betrieben in der Lüneburger Heide und im Havelland wurden mit Bodenfallen Laufkäfer auf den F.R.A.N.Z.- Biodiversitätsmaßnahmen und als Referenz auf den konventionell umgesetzten Getreideschlägen erfasst. In der vorliegenden Publikation dokumentieren die Wissenschaftler Dr. Hannes Hoffmann von der Hamburger Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft und Dr. Phillip Gienapp vom Michael-Otto-Institut im NABU auf Grundlage der erhobenen Daten faunistisch bemerkenswerte Nachweise von neun Laufkäferarten.

Hoffmann H., & Gienapp P. (2022) Faunistisch bemerkenswerte Laufkäfernachweise in Agrarumweltmaßnahmen auf zwei landwirtschaftlichen Betrieben bei Lüneburg (NI) und im Havelland (BB). Faunistisch-Ökologische Mitteilungen 11/2022: 43-50. DOI:10.38072/2699-7762/p16

Zusammenfassung

Auswirkungen von Biodiversitätsmaßnahmen auf die Segetalflora auf intensiv bewirtschafteten land-wirtschaftlichen Flächen (2022)

In der Studie werden die Ergebnisse einer über vier Jahre laufende Untersuchung zur Wirksamkeit von fünf im Rahmen des F.R.A.N.Z.-Projektes umgesetzten Aufwertungsmaßnahmen auf die Ackerwildkrautvegetation präsentiert. Während Blühstreifen die Gesamtzahl der Pflanzenarten deutlich erhöhen, fördert die Maßnahme Extensivgetreide insbesondere die Segetalflora (Ackerbegleitflora) und High-Nature-Value-Indikatorarten, ohne eine Dominanz von Unkrautarten zu verursachen. Im Bereich der Diversität auf Betriebsebene hat ein signifikanter Anstieg im Artenpool seit Maßnahmeneinführung stattgefunden. Arten mit einer positiven Bilanz wurden im Durchschnitt häufiger in den Extensivgetreide-Maßnahmenflächen festgestellt als in den Kontrollflächen im konventionell bewirtschafteten Wintergetreide.

 

Sutcliffe L.M.E., & Leuschner C. (2022) Auswirkungen von Biodiversitätsmaßnahmen auf die Segetalflo-ra auf intensiv bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen - Ergebnisse aus dem F.R.A.N.Z.-Projekt. Naturschutz und Landschaftsplanung 54 (06): 22-29. DOI: 10.1399/NuL.2022.06.02 

 

Zusammenfassung

Der vollständige Artikel kann unter franz@umweltstiftungmichaelotto.org angefragt werden

Response of honeybee colony size to flower strips in agricultural landscapes depends on areal proportion, spatial distribution and plant composition (2022)

Die vorliegende Publikation, in der die Auswirkungen von Blühstreifen als zusätzliches Nahrungshabitat für Honigbienen untersucht wurden, dient als Vorstudie für ein Simulationsmodell zur Untersuchung der Wirkung von Biodiversitätsmaßnahmen auf Wildbienen (Hummeln). Ziel ist es, mit Hilfe von Landschaftsszenarien Aussagen über die Effekte von Biodiversitätsmaßnahmen in der Agrarlandschaft auf bestäubende Insekten treffen zu können. Dabei wurde die Wirkung der drei Parameter prozentualer Flächenanteil, räumliche Verteilung und Pflanzenzusammensetzung der Blühstreifen genauer untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Qualität des Blühstreifens (Pollen- und Nektarangebot mit einem langen Blühzeitraum), einen signifikanten Effekt auf die untersuchte Honigbienenkolonie ausübt. Zudem hat der zunehmende Flächenanteil an Blühstreifen einen positiven Effekt, ebenso wie die räumliche (gleichmäßige) Verteilung, wobei dies vor allem auf die Blühstreifen mit hoher Qualität zutraf.

Baden-Boehm, F., Thiele, J., Dauber, J. (2022): Response of honeybee colony size to flower strips in agricultural landscapes depends on areal proportion, spatial distribution and plant composition. Basic and Applied Ecology 60 (2022), 123-138 

 

Interview mit Franziska Baden-Böhm