Untersuchungen zum Einfluss von F.R.A.N.Z.-Blühstreifen und Feldrändern auf die biologische Schädlingsbekämpfung in den Jahren 2020 und 2021


Bild: Holger Pfeffer / DVL
Hamburg/Berlin/Göttingen, 06.07.2023
Ergebnisse aus dem F.R.A.N.Z.-Projekt

Unter dem Titel „Weak evidence for biocontrol spillover from both flower strips and and grassy field margins in conventional cereals” veröffentlichen Nathalie Rodenwald, Dr. Laura M.E. Sutcliffe und Prof. Dr. Christoph Leuschner von der Universität Göttingen und Dr. Péter Batáry vom Zentrum für ökologische Forschung in Ungarn im Journal „Agriculture, Ecosystems & Environment“ Ergebnisse über die Auswirkungen von zwei verschiedenen Feldrandtypen (mehrjährige Blühstreifen und dauerhafte, überwiegend grasbewachsene Feldränder) als Option zur biologischen Schädlingsbekämpfung auf konventionellen Getreideflächen.

Hintergrund

Durch Agrarumweltmaßnahmen wie zum Beispiel „Blühstreifen“ soll die biologische Vielfalt in der Landwirtschaft gefördert werden. Mittels Umwandlung eines Teils der Ackerfläche können u.a. Insekten ganzjährig Nahrungsressourcen sowie Rückzugs- und Überwinterungshabitate vorfinden. Dadurch kann z.B. auch die Ökosystemdienstleistung der biologischen Schädlingskontrolle profitieren. Allerdings wurden bisher zwar verschiedene Agrarumweltmaßnahmen hinsichtlich ihrer Effektivität miteinander verglichen, nicht aber mit dem Status quo, d. h. mit dauerhaft grasbewachsenen Feldrändern.

Material und Methoden

Die vorliegende Studie untersucht die Auswirkungen von zwei verschiedenen Feldrandtypen (bereits bestehende, grasbewachsene Feldränder im Vergleich zu mehrjährigen Blühstreifen) und die Auswirkungen des Abstands vom Feldrand auf zwei häufig vorkommende Getreideschädlinge (Getreidehähnchen und Blattläuse), ihre natürlichen Gegenspieler (v.a. Larven der Schwebfliegen, Marienkäfer und Florfliegen sowie Blattlausparasitoide) und den Ernteertrag auf fünf konventionellen Demonstrationsbetrieben des F.R.A.N.Z.-Projekts.

Ergebnisse/Fazit

Die Untersuchungen für beide Feldrandtypen ergaben: Unabhängig vom Feldrandtyp war das Verhältnis von Gegenspielern zu Getreidehähnchen umso günstiger, je geringer der Abstand zum Feldrand war. Angrenzend an Blühstreifen verschlechterte sich das Verhältnis etwas langsamer Richtung Feldmitte als neben Grasstreifen. Bei Blattläusen war kein Effekt nachweisbar. Allerdings war die Parasitismusrate für Blattläuse in der Nähe von Grasstreifen höher als in der Nähe von Blühstreifen. Der Ernteertrag war in der Nähe von Blühstreifen minimal höher (allerdings nicht statistisch signifikant) und variierte nicht mit der Entfernung zum Feldrand.

Daraus lässt sich schließen, dass für biologische Schädlingsbekämpfung in erster Linie wichtig ist, dass dauerhaft vegetationsbewachsene Feldränder vorhanden sind. Da die Nähe zum Feldrand ausschlaggebend war, lässt sich indirekt aus den Ergebnissen auch ableiten, dass kleinere Ackerflächen von Vorteil sind, da hier das Verhältnis von Feldrand zu Feldfläche günstiger ist als bei großen Ackerflächen. Während Blühstreifen eine wichtige Rolle für viele Organismengruppen, wie z.B. Bestäuberinsekten, spielen können, empfehlen die Autor*innen zur Förderung der biologischen Schädlingsbekämpfung den Schutz bestehender, dauerhafter Grasstreifen durch die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU als kosteneffektive Alternative zu Blühstreifen.

Der vollständige Artikel kann hier bestellt werden.


Rodenwald N., Sutcliffe L.M.E., Leuschner C., Batáry P. (2023) Weak evidence for biocontrol spillover from both flower strips and grassy field margins in conventional cereals. Agriculture, Ecosystems & Environment 355: 108614. DOI: 10.1016/j.agee.2023.108614