Das Ziel des F.R.A.N.Z.-Fachforums "Biodiversitätsmaßnahmen neu denken: Hemmnisse, flexible Ansätze und Bewertung der Maßnahmenplanung" in Braunschweig war es, im F.R.A.N.Z.-Projekt entwickelte Module und Werkzeuge gemeinsam mit rund 50 Teilnehmenden aus Verwaltung, Forschung und Praxis zu schärfen, um die besten Lösungen in die Verwaltung übertragen zu können:
- Weiterentwicklung praxistauglicher Werkzeuge, wie ein Flex-Modul-Konzept, das z. B. witterungsbedingte Anpassungen erlaubt, bei gleichzeitiger Honorierung eines Basissatzes für den Betrieb, sowie ein Maßnahmenplanungs-Bewertungstool für Landwirt*innen zur besseren Planung und Umsetzung von Maßnahmen
- Räumliche Bündelung von Maßnahmen und stärkere Nutzung kooperativer Ansätze, um die ökologische Wirkung durch den Einbezug der Landschaftsebene zu erhöhen
- Vereinfachung von Förderverfahren und mehr Flexibilität bei Vorgaben, um die Umsetzung für landwirtschaftliche Betriebe zu erleichtern
- Abgestimmter Rahmen über alle Verwaltungsebenen hinweg, optimiert durch Modellprojekte zur schrittweisen Einführung neuer Ansätze in die Breite
Umsetzung erleichtern: Hemmnisse abbauen und Verfahren praxistauglicher gestalten
Eine zentrale Grundlage der Diskussion bildeten Erkenntnisse aus Interviews mit landwirtschaftlichen Betriebsleitenden. Deutlich wurde, dass insbesondere fehlende Planungssicherheit, komplexe Antragsverfahren, begrenzte Flexibilität und unzureichende Honorierung die Umsetzung erschweren.
Im Fokus standen daher konkrete Ansatzpunkte zur Verbesserung:
- Vereinfachung von Förder- und Antragsverfahren
- Schaffung flexiblerer Rahmenbedingungen
- niedrigschwellige Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten in Maßnahmen
- stärkere Nutzung digitaler Lösungen
- zusätzliche Finanzierungsoptionen außerhalb klassischer Förderprogramme
„Wir können uns die besten Maßnahmen ausdenken – solange wir keine Landwirte finden, die bereit sind, diese umzusetzen, nützt das alles nichts. Gleichzeitig gibt es Auflagen, bei denen es nicht mehr um ökologische Wirksamkeit geht, sondern um Kontrollierbarkeit. Da müssen wir uns fragen, wie zielführend dieser Ansatz ist. Für die Zukunft braucht es deshalb mehr Flexibilität: Wir müssen Systeme schaffen, die Landwirten diese Flexibilität ermöglichen – bei gleichzeitiger Sicherstellung der ökologischen Wirksamkeit.“ – Ineke Joormann (F.R.A.N.Z. Begleitforschung im Thünen-Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen)
Flexible Module und Maßnahmenbündelung als Schlüsselansätze
Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt lag auf der Weiterentwicklung konkreter Instrumente aus dem F.R.A.N.Z.-Projekt.
Das vorgestellte Flex-Modul-Konzept ermöglicht es Betrieben, Maßnahmen an witterungsbedingte oder betriebliche Veränderungen anzupassen, ohne deren ökologische Qualität zu gefährden. Gleichzeitig schafft es Planungssicherheit durch eine verlässliche Grundvergütung. Dieses Konzept wurde als vielversprechender Ansatz bewertet, um mehr Betriebe für Biodiversitätsmaßnahmen zu gewinnen.
Dabei wurde auch der grundlegende Zielkonflikt zwischen Flexibilität und administrativer Klarheit deutlich. Wie Dr. Norbert Röder es formulierte, stehen sich der Wunsch nach einfachen, klaren Vorgaben und der Bedarf an betrieblich notwendiger Flexibilität häufig gegenüber.
„Das gleicht der Quadratur des Kreises: Landwirtinnen und Landwirte wünschen sich Flexibilität, gleichzeitig aber möglichst wenig zusätzlichen Aufwand und klare Vorgaben. Wir haben hier einen klassischen Zielkonflikt: Stichtage schaffen Klarheit und erleichtern Verwaltung sowie Kontrolle, während mehr Flexibilität den Entscheidungsbedarf erhöht und das System insgesamt komplexer macht“, so Dr. Norbert Röder vom Thünen-Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen.

Copyright: Umweltstiftung Michael Otto
Als besonders vielversprechend wurde die räumliche Bündelung von Biodiversitätsmaßnahmen bewertet. Dabei werden Maßnahmen auf etwa 12 bis 20 Prozent der Ackerfläche des Betriebes – oder in Kooperation mehrerer Betriebe – zeitgleich und räumlich nah beieinander umgesetzt.
Im Rahmen des Fachforums wurde deutlich, dass Maßnahmenbündel ein großes Potenzial bieten, um die ökologische Wirksamkeit in der Agrarlandschaft gezielt zu erhöhen. Gleichzeitig besteht Weiterentwicklungsbedarf bei der konkreten Ausgestaltung. So wurde eine Klassifizierung der ökologischen Wirksamkeit von Maßnahmen grundsätzlich als sinnvoll bewertet, sollte jedoch nicht zu kleinteilig oder komplex ausfallen, um die Praxistauglichkeit zu erhalten. Ebenso wurde betont, dass die räumliche Verteilung der Maßnahmen stärker berücksichtigt werden muss, da erst durch eine gezielte Anordnung in der Fläche die gewünschte ökologische Wirkung entfaltet werden kann.
Rahmenbedingungen: Die Herausforderung, vorhandene Spielräume zu nutzen
Für die Umsetzung solcher Ansätze wurde die Notwendigkeit eines abgestimmten Rahmens zwischen EU, Bund und Ländern hervorgehoben. Ein Baukastensystem auf Bundesebene wurde als geeigneter Ansatz gesehen, um regionale Anforderungen zu berücksichtigen und gleichzeitig eine einheitliche Struktur zu schaffen.
Jürgen Metzner, Geschäftsführer des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege betonte: „Biodiversitätsmaßnahmen neu denken heißt für mich: Spielräume schaffen und Spielräume nutzen. Die EU-Kommission hat viele Spielräume eröffnet – vielleicht sogar zu viele. Entscheidend ist jetzt, die Finanzierung für mehr Biodiversität in der GAP verlässlich zu gestalten - mit klaren Bundesstandards, mehr Regionalisierung, stärkerer Ergebnisorientierung durch ein Bewertungssystem und einer Förderung überbetrieblichen Handelns. Und ja, wir müssen die Förderbedingungen vereinfachen – aber ohne dabei die Naturschutzregelungen abzuschaffen.“
Eine zentrale Rolle kommt zudem der ökologischen Betriebsberatung zu, die Betriebe bei der Planung und Umsetzung unterstützen und bürokratische Hürden reduzieren kann. Hervorgehoben wurden hier die kooperativen Ansätze, die in Deutschland das „Niederländische Modell“ erproben und eine effiziente Struktur für die Betriebsberatung bieten. Diese Modellprojekte gilt es nun schrittweise auszuweiten.

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Bewertungstool: Unterstützung für die Praxis
Ein weiterer Programmpunkt war die Vorstellung eines im Projekt entwickelten Bewertungstools zur Planung von Biodiversitätsmaßnahmen auf Ackerflächen.
Das Tool bewertet Umfang, Vielfalt und räumliche Lage von Maßnahmen und macht deren Wirkung transparenter und vergleichbarer. In der Diskussion wurde deutlich:
- Der praktische Nutzen für landwirtschaftliche Betriebe ist entscheidend
- regionale Besonderheiten sollten stärker berücksichtigt werden
- die Komplexität muss begrenzt bleiben, um Akzeptanz zu sichern
Für eine breite Anwendung sind neben einer nutzerfreundlichen Gestaltung auch passende Anreize erforderlich.
Gemeinsam Lösungen entwickeln: Kooperation als Erfolgsfaktor
Übergreifend wurde deutlich, dass erfolgreiche Biodiversitätsmaßnahmen nur im Zusammenspiel aller Akteur*innen gelingen können. Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung:
- frühzeitiger Einbindung der Landwirtschaft
- kooperativer Ansätze zwischen Betrieben
- enger Abstimmung zwischen Praxis, Verwaltung und Forschung
„Es wäre wünschenswert, auf beiden Seiten vom Perfektionismus wegzukommen: zunächst zu klären, was fachlich sinnvoll ist und erst anschließend das Förderrecht an die Bedürfnisse der Landwirtschaft anzupassen“, plädierte Anja Werther vom Thüringer Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum.
Auch aus landwirtschaftlicher Sicht wurde klar formuliert: Die Bereitschaft zur Umsetzung ist vorhanden – entscheidend sind passende Rahmenbedingungen, ausreichende Finanzierung und ein möglichst geringer bürokratischer Aufwand.
"Bei allen Überlegungen zur Ausgestaltung von Maßnahmen/AUKMs ist es wichtig, die Landwirte von Anfang an einzubeziehen. Die Landwirtschaft ist bereit ihren Part zur Erhaltung und Förderung der Biodiversität zu leisten, denn sie ist sich ihrer Verantwortung bewusst. Dieses geht aber nur, wenn die Maßnahmen flexibel zu den wirtschaftenden Betrieben passen, eine ausreichende Finanzierung vorhanden ist und der bürokratische Aufwand minimiert wird. Nur mit dem kooperativen Ansatz, der dem F.R.A.N.Z.-Projekt zugrunde liegt, können wir erfolgreich sein,“ so Hermann Dedert, Landwirt und Vorsitzender des Umweltausschusses bei Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband.

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Fazit: Von der Erprobung in die Anwendung
Das Fachforum hat deutlich gezeigt: Die im F.R.A.N.Z.-Projekt entwickelten Ansätze bieten eine solide Grundlage, um Biodiversitätsmaßnahmen künftig wirksamer und praxisnäher zu gestalten.
Jetzt kommt es darauf an, diese Erkenntnisse systematisch weiterzuentwickeln und in bestehende Programme zu überführen. Die im Fachforum erarbeiteten Hinweise werden derzeit ausgewertet und sollen in konkrete Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung von Maßnahmenprogrammen in den Bundesländern einfließen.
Mit flexiblen Instrumenten, vereinfachten Verfahren und einem kooperativen Vorgehen kann es gelingen, Biodiversität stärker in die landwirtschaftliche Praxis zu integrieren – und gleichzeitig den Anforderungen von Verwaltung und Naturschutz gerecht zu werden.
Wir haben uns gefreut über die vielfältige Teilnahme und den wertvollen Austausch!









