Biodiversitätsmaßnahmen steigern Hummelpopulationen in Agrarlandschaften


Bild: Umweltstiftung Michael Otto
Hamburg/ Berlin/Braunschweig, 24.06.2025
Ergebnisse aus dem F.R.A.N.Z.-Projekt

Das F.R.A.N.Z.-Projekt entwickelt und erprobt seit 9 Jahren ökologisch wirksame, ökonomisch tragfähige und praxistaugliche Biodiversitätsmaßnahmen in der Landwirtschaft. Durch die Arbeiten des Thünen-Instituts für Biodiversität wurden zwei Studien zur Effizienz von Biodiversitätsmaßnahmen für Hummelpopulationen in Agrarlandschaften veröffentlicht. Eine erschien in der Fachzeitschrift Agriculture, Ecosystems and Environment, die andere in Landscape Ecology (Band 40). Untersucht wurde, wie sich Biodiversitätsmaßnahmen auf die Bestände der Dunklen Erdhummel (Bombus terrestris) in Agrarlandschaften auswirken. Dabei wurden sowohl semi-natürliche Lebensräume als auch großflächige Blühpflanzen wie Raps in die Analysen einbezogen. Berücksichtigt wurden nicht nur die vorhandenen Nahrungsangebote, sondern auch die Nistmöglichkeiten und deren Einfluss auf die Entwicklung der Hummelpopulationen.

 

Mithilfe des Simulationsmodells BumbleBEEHAVE wurden die Effekte von Blühstreifen, blühenden Feldrändern und Brachflächen über acht Jahre in drei Agrarlandschaften Deutschlands untersucht.

 

Erkenntnisse der Studie:

 

  • Anstieg der Hummelkolonien: Die Umsetzung von Biodiversitätsmaßnahmen führte zu einem Anstieg der Anzahl von Hummelkolonien. Maßnahmen sollten gezielt auf die Bereitstellung von qualitativ hochwertigen Ressourcen wie Pollen und Nektar ausgerichtet sein.

 

  • Einfluss von Pollen und Nektar: Massetrachten im Ackerbau wie Raps haben einen positiven Effekt auf die Dichte und das Wachstum von Hummelkolonien durch ihre frühere Blüte. Die ganzjährige Bereitstellung von Pollen und Nektar durch Blühstreifen und blühende Feldränder ist allerdings auch entscheidend für die Unterstützung der Hummelkolonien. Diese Ressourcen müssen in ausreichender Menge und Vielfalt über das Jahr gesehen, vorhanden sein, um die Bedürfnisse der Hummeln auch im Sommer zu erfüllen.

 

  • Semi-natürliche Lebensräume: Semi-natürliche Lebensräume sind Lebensräume, die nicht völlig naturbelassen, aber auch nicht vollständig vom Menschen künstlich geschaffen sind. Sie entstehen oft durch eine extensive Nutzung und behalten dadurch einen hohen ökologischen Wert. Diese Lebensräume hatten einen positiven Effekt auf die Hummelpopulationen. Um effektiv zu sein, sollten Biodiversitätsmaßnahmen darauf abzielen, solche Lebensräume zu erhalten und zu fördern, da sie wichtige Ressourcen und Rückzugsorte bieten.

 

  • Nistplätze: In Landschaften mit bis zu 5% semi-natürlichen Habitaten steigerten zusätzliche Nistmöglichkeiten, die auf mehrjährigen Biodiversitätsmaßnahmen zu finden sind, die Hummelpopulationen über den Effekt der Nahrungsressourcen hinaus. In Landschaften mit über 8 % war dagegen kein positiver Effekt zusätzlicher Nisthabitate zu erkennen. Daher ist es vor allem in Landschaften mit geringem Anteil semi-natürlicher Lebensräume wichtig, Biodiversitätsmaßnahmen so zu gestalten, dass sie auch Nistmöglichkeiten für Hummeln bieten.

 

 

  • Landschaftskontext: Neben der Zusammensetzung der Landschaft beeinflusst auch die räumliche Verteilung die Wirksamkeit der Maßnahmen. Die Simulationen legten nahe, dass es für Hummeln effizienter ist, eine gegebene Gesamtfläche an Biodiversitätsmaßnahmen in der Landschaft auf wenige große Teilflächen zu verteilen anstatt auf viele kleine. Biodiversitätsstrategien sollten den spezifischen Landschaftskontext berücksichtigen und integrative Ansätze verfolgen, die sowohl ökologische als auch landwirtschaftliche Ziele in Einklang bringen.

 

Beide Studien nutzten ein Simulationsmodell zur Bewertung von Biodiversitätsmaßnahmen und zeigen, dass deren Effektivität stark vom Landschaftskontext abhängt. Es werden die Bedeutung von Nahrungs- und Nistressourcen sowie die räumliche Verteilung der Lebensräume behandelt.

 

Diese Erkenntnisse sind relevant für Landwirte, Wissenschaftler und politische Entscheidungsträger, um die Biodiversität in landwirtschaftlichen Gebieten zu fördern. Das F.R.A.N.Z.-Projekt arbeitet an der Integration von praktikablen, ökologisch wertvollen sowie ökonomisch sinnvollen Naturschutzmaßnahmen in die landwirtschaftliche Praxis.

 

Hier und hier geht es zu den vollständigen Artikeln.

Baden-Böhm, F., Dauber J., Thiele, J. (2023) Biodiversity measures providing food and nesting habitat increase the number of bumblebee (Bombus terrestris) colonies in modelled agricultural landscapes. Agriculture, Ecosystems & Environment https://doi.org/10.1016/j.agee.2023.108649 .

 

Baden-Böhm, F., Hellwig, N., Dauber, J. et al. (2025) Efficiency of flower strips for bumblebee colonies depends on nesting habitat and interactions with semi-natural habitats and mass-flowering crops. Landscape Ecology  https://doi.org/10.1007/s10980-025-02139-4